Narratives Bewusstsein

242 Seiten, ISBN: 9788494314735, € 14,90

Klappentext:

Wir leben mit und durch Geschichten. Durch sie bestimmen wir, wer wir selbst sind, wer andere für uns sind, formen Lebenssinn und Weltbilder, verstehen und erzeugen kulturelle Epochen.

Der postmoderne Pluralismus mit seinen narrativen Mikrokosmen führte dabei zum disparaten Ich. Wer, so lautet das gängige Narrativ, in unterschiedlichen sozialen Sphären lebt, formt auch unterschiedliche Ichs aus, die miteinander in Konflikt liegen können.

Tom Amarque untersucht in diesem Buch, wie wir diese Erkenntnis auf unser Leben übertragen und zu einem Narrativen Bewusstsein sowie einer Lebenskunst kommen können, die den narrativen Relativismus des Postmodernismus überwinden kann.

LESEPROBE

Narratives Bewusstsein ... das sind drei Jahre meines Lebens. In gewisser Hinsicht denke ich, es ist das Beste meiner Bücher. Aber das denkt man ja immer. Es ist auf jeden Fall das Komplexeste, wenn dies heißt: Eine übergeordnete Perspektive zu all dem ausformen zu können, was man vorher geschrieben hat, während es gleichermaßen auch eine ironische Haltung dazu bereit ist, einzunehmen. Es ist schwer, dies kurz zu erklären. Lies das Buch.

Den Rohentwurf des Buches habe ich in einer Bar Escola hier in Sencelles geschrieben, morgens zwischen 9 und 15 Uhr. Es wechselten zwischenzeitlich die Besitzer. Der Platz in der Ecke blieb meiner. Nun wird sie von zwei jungen Damen geführt - Rebekka und Marianna - denen ich ganz dankbar dafür bin, mir stets einen Café con Leche und ein Croissant serviert zu haben.

Die Bar ist ziemlich ruidoso. Zwei Fernseher laufen, und auch noch das Radio. Damit die Spanier sich unterhalten können, müssen sie im Wesentlichen schreien. Nur um zu verstehen, wieviel externen Lärm ich brauchte, um innerlich zur Ruhe zu kommen und die Gedanken formulieren zu können. Je mehr Lärm, umso einfacher fiel es mir, in den richtigen Flow zu kommen.

Das ist so eine Sache mit dem Flow: Man muss irgendwie seine eigene Weise finden, wie man zu jener emotionalen, geistigen, Einheit mit der Umwelt findet und sich selbst verliert. (Dabei ist es egal ob man diesen Zustand im Schreiben, Surfen oder Segeln findet) Es ist dieser Zustand, in dem alles in Fluss ist, wo Inspiration mit Technik zusammenfließen, wo Exstase mit dem Schreiben auftaucht und wo die Texte meistens - und langfristig - recht brauchbar sind. Wenn ich mich in diesen Zustand begebe, dann wirkt die Ekstase den ganzen Tag über - selbst, wenn er der Flowzustand objektiv betrachtet nur eine Stunde währte. Vor allem aber verändere ich mich selbst durch den Zustand und den Text; es ist, als 'schreibe es mich' - und nicht umgekehrt - und als erfahre ich etwas Neues über die Welt, und über mich selbst.

So 'sein' zu können, dekonstruiert natürlich die eigenen Vorstellungen von 'Arbeit'. Es ist eine Lebenskunst. Was das Ganze mit der Postpostmoderne zu tun hat? Lies das Buch ;-)