Spiritualität des Helden

Spiritualität ist auch immer in der Auseinandersetzung mit den Kräften des Chaos und dem Terror der Wandlung. Nur indem wir diese konfrontieren, sind wir zu wirklicher Transformation fähig. Es ist der Drache des Chaos, den der heilige Sankt Georg bekämpft. Es ist Raum 101 aus '1984', und die Auseinandersetzung mit 'dem Schlimmsten der Welt', wo Wandlung möglich wird. Der Held wird immer diese Auseinandersetzung freiwillig suchen, während der Feigling um jeden Preis versucht, diese erschütternde Erfahrung zu meiden. In diesem Sinne tritt Spiritualität in drei Formen auf, nämlich als dekadente, als faschistoide und als heldenhafte Spiritualität.

Zunächst ist da die dekadente Spiritualität, die nicht nur die Auseinandersetzung mit den Kräften des Chaos meidet, sondern auch die soziale Welt als solches. Dekadente Spiritualität ist immer insular, teilweise reaktionär und regressiv, und kann nur überdauern durch den Verweis und den Aufbau alter, teilweise tradititioneller Strukturen; dekadente Spiritualität ist heillos veraltet, und zelebriert sich in dieser alten Strukturen. Sie kann nicht im wirklichen Diskurs mit der Welt bestehen, und durch die alten Zugbrücken der Stadtmauern erreichen nur wenige Informationen der Außenwelt den Kern der Stadt. Dekadente Spiritualität ist fast immer gruppenbezogen, immer positivistisch-regressiv, vor allem aber findet die individuelle Konfrontation mit dem Chaos nicht statt. Es sind Gruppen und Cliquen, deren Paradigma in der Abschottung der Welt besteht, und so Sicherheit erzeugen.

Sicherheit erzeugt zum zweiten die faschistisch-geartete Spiritualität, und auch sie verhindert die Interaktion mit dem Okkulten und dem Unbekannten. Die faschistische Spiritualität opfert das Innenleben des Neophyten zu Gunsten starrer Strukturen, die tyrannisch aufrechterhalten werden. Wir alle kennen genau Beispiele für faschistoid-operierende Gurus. Alle diese Systeme sind zum Scheitern verurteilt, denn es gibt keine Sicherheit vor den Kräften des Chaos.

Und dann ist da die heldische Spiritualität. Sie ist nicht in Gruppen zu finden. Es ist der Einzelne, der sich dem Unbekannten, dem Drachen, dem Okkulten, dem Abyss stellt, und bereit ist, alle Strukturen, die ihm einst Sicherheit versprachen, alle seine Vorstellung von Selbst und Welt, fahren zu lassen. Er ist bereit, sein Kosmos dem Chaos zu opfern. Er wird dabei sterben, er wird vielleicht wiedergeboren werden. Aber wir alle kennen diesen Mythos, und seine Namen. Es ist Osiris, es ist Jesus, es ist (in der Literatur) Paul Muadib, und im Film Neo.

Diesen Unterschied sieht auch C.G Jung, wenn er schreibt: "There is no coming to consciousness without pain. People will do anything, no matter how absurd, in order to avoid facing their own Soul. They will practice Indian yoga and all its exercises, observe a strict regimen of diet, learn the literature of the whole world - all because they cannot get on with themselves and have not the slightest faith that anything useful could ever come out of their own souls. Thus the soul has gradually been turned into a Nazareth from which nothing good can come."

Tom AmarqueComment